Weltweite Nachfrage nach Schweinefleisch steigt 2012 um 1,7%
Der weltweite Fleischkonsum wird sich 2012 nach einem leichten Rückgang im vergangenen Jahr wieder etwas erholen – trotzdem sind die Zukunftsperspektiven der Vieh- und Fleischbranche je nach Land und Fleischart recht durchwachsen, teilt Agra-Europe mit.
Wie die Publikation "Meat News" des Belgian Meat Office (BMO) aus einer aktuellen Prognose des französischen Consulting-Unternehmens Gira zitiert, wird sich der weltweite Konsum über alle Fleischarten hinweg um 1,2 % im Vergleich zum Vorjahr auf insgesamt rund 238,9 Mio t Schlachtgewicht (SG) erhöhen. Diese Steigerungsrate sei allerdings im historischen Vergleich unterdurchschnittlich. Bei Schweinefleisch sei mit einer Nachfragesteigerung um 1,7 % auf 98,4 Mio t SG, bei Geflügelfleisch um 2,2 % auf 82,0 Mio t SG und bei Schaffleisch um 0,2% auf 8,2 Mio t SG zu rechnen. Allein bei Rind- und Kalbfleisch sei ein Minus von 1 % auf 50,3 Mio t SG zu erwarten.
Eine spürbare Entlastung bei den Futterkosten sei nicht absehbar, weil potentielle Futterkomponenten auch zur Erzeugung von Biokraftstoffen eingesetzt würden. Wie im Vorjahr dürften die Futtermittelpreise stark schwanken. Gira weist auch auf den künftigen Einfluss der Wechselkursentwicklungen auf die Handelsströme hin. Es geht davon aus, dass der US-Dollar gegenüber den asiatischen Währungen abwerten wird. Dadurch würden amerikanische Exporte nach Asien begünstigt. Dagegen sei eine Aufwertung des US-Dollars gegenüber dem Euro, dem australischen Dollar und dem Brasilianischen Real zu erwarten.
Diese Entwicklung erschwere Fleischexporte in diese Länder. Gira rechnet für das laufende Jahr mit einem Anstieg der Schweinepreise in der Europäischen Union von 1 % bis 5 % gegenüber 2011, was der Branche eine steigende Rentabilität bescheren dürfe. Schrumpfende Sauenbestandszahlen würden größtenteils durch Effizienzsteigerungen kompensiert. Es sei allerdings wahrscheinlich, dass viele Sauenhalter die ab 2013 in der EU geltenden neuen Vorschriften für die Gruppenhaltung nicht umsetzten. Ob dies zu einem Aufschub oder einer Entschärfung der Vorschriften führen werde, sei unklar. Die Exportabhängigkeit der EU nehme bei gleichzeitig rückläufigem Inlandsverzehr zu. Die Nachfrage auf dem Weltmarkt sei zurzeit gut. Auf Deutschland, Dänemark, die Niederlande und Belgien entfielen gut 40 % der gesamten EU-Produktion. Allerdings fallen die Prognosen für diese Länder unterschiedlich aus: Während in Deutschland und Dänemark im Jahr 2012 mit einer Steigerung der Schweineschlachtungen um 1 % beziehungsweise 1,4 % zu rechnen sei, werde für die Niederlande und Belgien eine Einschränkung um 2,4 % beziehungsweise 1 % prognostiziert. In den neuen Mitgliedstaaten werde ein noch deutlicherer Rückgang, nämlich um 9,1 % erwartet. Für die übrigen EU-Länder ergäben sich nur geringfügige Veränderungen.
Nachdem der Schweinefleischverzehr in der EU 2011 bereits um 0,8 % rückläufig gewesen sei, müsse man im laufenden Jahr mit einem weiteren Minus in Höhe von 1 % rechnen. Aufgrund des geringeren Angebots an fetteren Teilen und der teuren Rohstoffe sehe die Fleischverarbeitungsbranche schwierigen Zeiten entgegen. Kleinere Margen würden zu neuen Verhandlungen mit dem Lebensmitteleinzelhandel führen. Die Kernfrage sei hier, ob die Einzelhandelspreise dadurch steigen würden. Mit Blick auf die globale Schweinefleischerzeugung sei ein Aufschwung wahrscheinlich, nachdem es im vergangenen Jahr vor allem als Folge der tierkrankheitsbedingt negativen Entwicklung in China und Korea einen Rückgang gegeben habe.
Bron ISN

